Eigentlich wollte ich zu Hause Urlaub machen. Aber Russland lässt einen nicht los. Unverständnis bei der Familie!?! Also Flucht nach vorne: Gemeinsam mit meiner Frau mache ich eine Städtereise nach Moskau und St. Petersburg. Für Brigitte ist es die erste Reise im Leben nach Russland.

Es gibt nicht viel zu erzählen. Bereits im Flieger schwirren dezent die ersten russischen Sprachfetzen durch die Kabine. Viele Migranten, die in Deutschland bereits den meisten Teil ihres Lebens verbracht haben und ihren Ehepartnern das Geburtsland zeigen wollen, Berufs-Besser-Wessis die bereits alles im Voraus wissen und Damen im reiferen Alter, die ihre Jugend nachholen wollen. Eine bunte Mischung also. Ich hatte versprochen nicht aufzufallen indem ich viel von Moskau erzähle und hatte auch versprochen die Reiseleitung nicht zu korrigieren.

Moskau wird mit jedem Besuch schöner und attraktiver. Außer den vielen Highlights, die ich bereits aus den vorhergehenden 8 Besuchen kenne, gelingt es der Reiseleitung tatsächlich mir etwas Neues zu zeigen. Unbestritten gehört der Nowodewitschi-Friedhof dazu, dessen Bedeutung mir erst hier bewusst wird! An einem Abend bietet das Hotel eine Vorstellung des (jetzt privaten) Nationalballettes „Kostrjoma“, das ich zu DDR-Zeiten leider versäumte zu sehen. Eine sehr schöne Darstellung der Geschichte Russlands! Als ich spät abends noch allein bummeln gehe wird Brigitte in Hotel gefragt, ob ich Russe sei. Eigentlich ein schönes Kompliment!

Zwischenstopp mit Übernachtung in Novgorod. Voller Erschrecken stellen viele Reiseteilnehmer fest, dass ja der Busfahrer allein für Verkehrsdelikte einschließlich des technischen Zustandes des Busses verantwortlich ist. Zwar muss er bei einer Kontrolle nur „eine kleine Träne“ abdrücken, aber die vielen Gutmenschen veranstalten gleich eine Sammlung! Dafür ist das IBIS-Hotel langweiliger westlicher Standard und könnte an jeder Stelle dieser Welt stehen.

Auch das Hotel in St. Petersburg gibt sich betont westlich, insbesondere was die Getränkepreise angeht. Dafür ist die Besichtigung in den nächsten Tagen unübertroffen. Peterhof und Zarskoje Sjelo, Bootspartie und Ermitage. Am Ende war es Brigitte zu viel. Obwohl es den Menschen entlang der Straße nach Petersburg noch vergleichsweise gut ging, war der Gegensatz zu der Pracht in den Großstädten einfach zu viel für sie. Ja, man muss schon ein wenig abgehärtet sein für dieses Land oder noch mehr Elend und Reichtum gesehen haben. Wobei: noch mehr Elend geht immer, aber noch mehr Reichtum???

Diese Woche verging wie im Fluge. Moskau ungeordnet, quirlig und hektisch. Petersburg prachtvoll, kulturvoll und ein wenig ruhiger. Dazwischen Novgorod, die Wiege Russlands, sehr provinziell. Für mich war es der Beweis, dass Moskau und Petersburg überhaupt Nichts mit Russland zu tun haben. Für Brigitte und viele anderen Reisenden ein kleiner Einblick in die Vielfalt dieses Landes. Eventuell sogar ein wenig Vorstellung, weshalb ich bei meinen Reisen diese Gegend bevorzuge.

 

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